
Mittelalterlicher AblasshandelEines Tages tauchte in Wittenberg, wo Martin Luther lebte, ein Mönch namens Johannes Tetzel auf. Im Auftrag des Papstes verkaufte er auf dem Marktplatz so genannte „Ablassbriefe“ an die Leute. Die Menschen dachten damals, dass sie nach ihrem Tod für all ihre Fehler bestraft werden und in die Hölle kommen. Tetzel versprach ihnen, dass ihnen die Höllenstrafen erlassen werden und sie direkt in den Himmel kommen, wenn sie einen Ablassbrief kaufen. Er sagte: „Wenn der Taler im Beutel klingt, deine Seele sich in den Himmel schwingt.“
Für Martin war das ein echtes Unding: Mit dem Glauben macht man keine Geschäfte. Gott ist doch nicht käuflich! Am 31. Oktober 1517 machte er seinem Ärger Luft: Er schrieb alle Missstände in 95 Thesen auf und schlug sie als Poster an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg. Nun konnte jeder es schwarz auf weiß nachlesen, was Martin dachte. Wie ein Lauffeuer sprach sich der Thesenanschlag herum. Der Buchdruck war gerade erfunden worden, so dass die Thesen bald auch als Flugblätter gedruckt und überall verteilt wurden. Immer mehr Menschen fanden, dass Martin recht hatte, und unterstützten seinen Protest. Der Papst und die katholischen Bischöfe waren wütend: Was erlaubte sich dieser Mönch aus Wittenberg! Martin wurde aufgefordert, seine Thesen zu widerrufen und wieder ein braver Mönch zu werden. Martin aber blieb hartnäckig und stand zu seiner Überzeugung: Gottes Liebe ist bedingungslos und ein Geschenk.
|